Die Leuchte

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Die LeuchteFoto: A. Esser

Die Leuchte
beim Versehgang, bei den Fußfällen, beim Begräbnis

Bei der vorgenannten Aufzählung kann man leicht zu der Erkenntnis kommen,die Leuchte sei von einem Hauch des Todes umgeben.
Doch weit gefehlt.
Die brennende Leuchte soll Symbol für das “Licht des Glaubens“ sein.

In der Bibel steht unter Jakobus 5, 14: „ Ist unter euch jemand krank, so ruft die Priester der Gemeinde, die sollen für ihn beten und ihn mit Öl salben.“

Versetzen wir uns zurück bis ca. Anfang der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts. Kranke wurden bis dato vorwiegend zu Hause aufopferungs- und liebevoll gepflegt. Dies mag auch der Tatsache geschuldet sein, dass es keine, dem heutigen Standard entsprechende, flächendeckende Krankenhausstandorte gab. Das in der heutigen Zeit angebotene Netz von Intensiv- und Palliativstationen sowie die Anzahl von Pflegeheimen existierte einfach noch nicht.

Unterstützung bei der Pflege Schwerstkranker und Sterbenden erfuhren die Angehörigen in Vettweiß durch die Schwestern vom Orden der “ Hl. Maria Magdalena Postel“ auch als die “Armen Schwestern der Barmherzigkeit“ bekannt. Ihr “Domizil“ in Vettweiß war das St. Josephs-Haus (Kloster, ehem. Villa Schwecht). Das “Mutterhaus“ befand sich in Heiligenstadt. Nicht nur in der Pflege sahen die Ordensschwestern ihre Aufgabe. Sie unterhielten einen Kindergarten und boten Ausbildung in einer Koch- und in einer Nähschule an.

Der Bitte um Hilfe kamen die Schwestern, von denen immer eine mit der ambulanten Pflege betraut war, stets nach. Behandlung von kleineren Wunden gehörte zum “Tagesgeschäft“. Abwechselnde Nachtwache bei den Kranken zu halten, war für die Schwestern eine wertlose Selbstverständlichkeit, die mit Dankesworten nicht aufzuwiegen war. In der Zeit vom 29.August 1929 bis Dezember 1944 wurde diese Aufgabe von den “Heiligenstädter Schwestern“ wahrgenommen. Den Kriegswirren geschuldet, verzogen sie nach dem Bombenangriff auf Vettweiß in ihr Mutterhaus nach Heiligenstadt. Leider kehrten sie nicht mehr nach Vettweiß zurück.

Doch das St. Joseph-Haus sollte nicht verwaist bleiben. An ihrer Statt zogen nach dem Krieg dann die in Kelz ursprünglich beheimateten Schwestern des Cellitinnen-Ordens in das “Kloster“ ein.

Auch für diese Ordensschwestern war die Krankenpflege ein “Muss“, die sie in gleichem Maße ausübten wie ihre Vorgängerinnen. Mancher Bewohner wird sich sicherlich noch an die Schwestern Felizitas und Amanda erinnern. Wie bei ihren Vorgängerinnen wurde aber auch dieser Schwesternkonvent am 27.10.1958 infolge Nachwuchsmangel aufgelöst. Die in Vettweiß verbliebenen Schwestern wurden verschiedenen Einrichtungen des Ordens der Cellitinnen zugeteilt. Damit war die segensreiche Tätigkeit der Schwestern in der Sorge um die Sterbenden und Schwerstkranken zu Ende. Die Bevölkerung dankte den Schwestern für ihre Arbeit mit einer würdigen Verabschiedungsfeier.

Der Versehgang
Zeichnete sich das Lebensende des Kranken oder der Kranken ab, dann erging der “Ruf“ an den Priester, dem oder der Gezeichneten die Krankensalbung zu erteilen, denn einem zu erwarteten Ableben ging stets der Versehgang voraus.

PriesterMatthias Heinrichs, Toni Klein, Kaplan Vohn Foto: Archiv Josef EsserBis zur angesprochenen Epoche machte sich der Priester, in vorwiegend ländlichen Gebieten, unter Begleitung eines Messdieners oder auch zweien, angezogen in Chorkleidung, auf den Weg zum Haus des Schwerkranken. Der Ministrant trug eine Leuchte mit entzündetem Licht. Die Leuchte war mit einer Schelle versehen, die er bei Begegnungen mit Passanten erklingen ließ.

Dadurch wies er auf die Gegenwart des Allerheiligsten, der Hostie, hin, welche der Priester in der sogenannten Burse mit sich trug. Die Burse ist eine kleine Tasche, befestigt an einer Schnur.

Entgegenkommende Leute verharrten ehrfurchtsvoll am Straßenrand. Sie verstanden, dass in irgendeinem Haus ein Schwerkranker vielleicht mit dem Tode rang und somit der Sterbesakramente, fälschlich auch als letzte Ölung bezeichnet, bedurfte. Heutzutage kommt der Priester alleine und ohne Chorkleidung ins Haus.

Das Krankenzimmer war so hergerichtet, dass die Krankensalbung und die Gebete in einem würdigen Rahmen stattfinden konnten.

Trat der Tod ein und wurde bestätigt, oftmals durch mehrmaliges lautes Anrufen, und man alsbald dem Toten die Augen zugedrückt hatte, wurde er oder sie unter Zuhilfenahme der Nachbarschaft auf der Tenne auf eine Schütte Stroh gelegt. Über das Stroh wurde ein weißes Leintuch ausgebreitet, dem/der Toten ein Kreuz in die gefaltenen Hände gelegt, die mit einem Rosenkranz umschlungen wurden. Der Leichnam wurde ebenfalls, Hände und Kopf freilassend, mit einem weißen Laken bedeckt.

Diese Art der Aufbahrung wurde als: „Er/Et litt om Schoof“, bezeichnet. Auch heute bedient man sich hin und wieder noch dieses Ausdrucks.( Mit “et Schoof“ ist eine Schütte Stroh bezeichnet, die einen Umfang hat, die ein erwachsener Mann mit beiden Armen zusammenschieben kann.) Nach der folgenden Einsargung wurde das Stroh dann vor dem Dorf verbrannt. Noch vor Ende des 19. Jahrhunderts erachtete man diese Art der Aufbahrung für überholt und verzichtete fortan vielerorts auf der Beibehaltung.

Dem Todesfall folgten sofortige Gebete im Hause des/der Verstobenen, die sich über Stunden hinzogen, für die Verwandt- und Nachbarschaft verantwortlich waren. Ablösung der Betenden erfolgte durch die gebräuchlichen Gebete der “Sieben Fußfälle“.

Die sieben Fußfälle
Frau WaserCordula Waser Foto: A. WaserMit dem uralten Sterbebrauch der “Sieben Fußfälle“ war bis Mitte der 1950er Jahre in Vettweiß Frau Cordula Waser, geb. Palm, betraut. In Ausnahmefällen übernahm ihre Tochter Agnes die Durchführung. Cordula Waser hatte diese Aufgabe von Frau Katharina Glasmacher, geb. Leufgen, übernommen. (Eine weitere personelle Rückverfolgung gelang nicht. Es war aber stets eine “vererbte Angelegenheit“ der Familien Palm und Leufgen, und dies über Generationen hinweg.)

Frau Waser, wie alle ihre Vorgängerinnen in diesem “Ehrenamt“, suchte also zusammen mit sieben Jugendlichen das Sterbehaus auf, um, einem alten rheinischem Brauch folgend, für das ewige Seelenheil des/der Verstorbenen zu beten. War der Verstorbene männlichen Geschlechts, setzte sich die “Betschar“ aus Jungen zusammen. Bei weiblich Verstorbenen waren dementsprechend Mädchen damit vertraut. Sie gruppierten sich um den aufgebahrten Leichnam und beteten die “5 Sätze des schmerzhaften Rosenkranzes“ mit anschließendem “5-Wunden-Gebet“.

Danach zog die Gruppe unter Gebet zur Kirche, wo zum Abschluss der Fußfälle noch der Kreuzweg gebetet wurde. Stets mit dabei, die brennende Leuchte.

Es gilt nun die Frage zu beantworten, wo der heute weitgehend vergessene Brauch der “Sieben Fußfälle“ seinen Ursprung her hatte.

Es ist bekannt, dass im Laufe des frühen 16. Jahrhunderts fast überall in Deutschland siebenteilige Kreuzwege in Form von Bildstöcken oder Kreuzen das Landschaftsbild prägten, wobei die einzelnen dargestellten Kreuzweg-    Szenen von Gegend zu Gegend verschieden waren. Gemeinsam aber war, dass diese Kreuzwegstationen von der ausgesuchten Betschar dann aufgesucht wurden, wenn der Tod eines Dorfbewohners zu beklagen war, um für das Seelenheil des/der im Sterbehaus Aufgebahrten zu beten. Etwa dreihundert Jahre später, als die 7 Kreuzwegstationen vielerorts auf 14 erweitert wurden, verlagerten sich die Totengebete teilweise ganz in die Sterbehäuser, mit der beschriebenen “Gebetsfolge“ in der Kirche.

Die Kreuzwegstationen, die den “Sieben Fußfällen“ dienten, wurden aber nicht nur zum Totengebet aufgesucht. Es war steter Brauch, dass die Stationen an den Freitagen in der Fastenzeit Ziel von Prozessionen, ausgehend von der Kirche, waren.

So auch in Vettweiß, da der Ort auch einen siebenteiligen Kreuzweg aufzuweisen hatte. Beginnend mit der Einmündung des Waldweges in die Dürener Straße Richtung Jakobwüllesheim (die damalige Verkehrsführung ist mit der heutigen nicht vergleichbar), waren in kurzen Abständen sieben Bildstöcke errichtet worden, von denen heute noch drei in sehr gutem Zustand erhalten sind.

Bildstock 1Bildstock 2Bildstock 3
Bilderstöcke 1-3   Fotos: A. Esser

Drei Bildstöcke waren durch Kriegseinwirkungen derart in Mitleidenschaft gezogen, dass von einer Neuerichtung abgesehen wurde. Ein weiterer Bildstock, der der neuen Verkehrsführung im Wege stand, wurde ersatzlos abgetragen. Die restlichen drei Stationen wurden nach Jahren renoviert und geben somit heute noch Zeugnis von einem siebenteiligen Kreuzweg. Leider mussten die einstmals offenen Kreuzwegszenen, aus Angst vor Vandalismus, vergittert werden.

Warum die Bezeichnung “Sieben Fußfälle“?
Eine weitverbreitete Meinung ist, dass die 7 Stationen auf die 7 Hauptkirchen Roms hinweisen und deshalb damit verbunden sein sollen, da in diesen Kirchen  in der Karwoche der päpstliche Stationsgottesdienst gefeiert wurde.

Um das Jahr 1956 hielt man in Vettweiß die Zeit für “gekommen“, auf den Sterbebrauch der “Sieben Fußfälle“ zu verzichten. Man ging dazu über, sich am Vorabend des Begräbnistages in der Kirche zu einer “ Totenwache“ zu versammeln. Die vormaligen “Sterbegebete“, die es  im jeweiligen Sterbehaus und an den Kreuzwegstationen zu beten galt, wurden in die Kirche “verlegt“, was dem gleichzeitigen “Aus“ der Leuchte bei dieser Änderung gleichkam. Heutzutage hat sich nochmals die Gebetsstruktur gewandelt. Die “5 Sätze des schmerzhaften Rosenkranzes“ und das “5 Wunden-Gebet“ sind gegen “moderne“ Gebete und Lieder, wenn man so sagen darf, ausgetauscht worden.

Das Begräbnis
Da Vettweiß erst ab dem Jahre 1969 über eine Leichenhalle verfügt, fanden die Beerdigungen bis zu diesem Zeitpunkt vom jeweiligen Trauerhaus aus statt.

Bestand die Möglichkeit, wurde die Aufbahrung im Hof oder in der Toreinfahrt vorgenommen. War dies nicht gegeben, diente der Platz auf dem Gehweg vor dem Trauerhaus dazu.

Der Termin der Beerdigung und des Vorabendgebetes wurde von Haus zu Haus angesagt. Bis zum Kriegsende wurde diese Aufgabe der Einladung vom sehbehinderten August Stöwer wahrgenommen.

Nach dem Kriege führten Kinder aus der jeweiligen Nachbarschaft, gegen ein kleines Entgelt, diese Tradition fort. Ab Anfang der 1960er Jahre hatte auch dieser Brauch des Ansagens durch das Dorf keine Zukunft mehr. Zeitungsanzeigen und schriftliche Todesanzeigen hatten ihn ersetzt.

Es sei daran erinnert, dass es zu dieser Zeit keine Beerdigungsinstitute im heutigen Sinne gab, die für die Hinterbliebenen die gesamte Organisation eines Begräbnisses und das Abhandeln von Formalitäten übernommen hätte. Alles musste von der Familie, der Verwandtschaft und der Nachbarschaft geregelt werden. Der Sarg, auch “Dudelad“ genannt, wurde vom örtlichen Schreinermeister unverzüglich gefertigt, sobald der Todesfall eingetreten war.

Zur Grablegung als solche sei zu bemerken, dass man versuchte die Kosten so gering wie möglich zu halten. So wurde unter dem damaligen Bürgermeister Josef Joentgen das jeweilige Grab von den Gemeindearbeitern Fritz Michels und Josef Hövels ohne Kostenberechnung per Hand ausgehoben.

Eine ganz besondere Bedeutung hatte und hat auch heute noch die Totenglocke. Nach Eintreten und Bekanntwerden des Todesfalles wird sie am Abend geläutet, um der Bevölkerung das Ableben eines Mitbürgers anzuzeigen. Gleichfalls erklingt sie auch dann, wenn die Trauergemeinde in Prozession von der Kirche aus zum Friedhof geht.

KesternichSchmitz

Foto links: Leni Henrix ; Foto rechts: Ruth und Renate Schmitz

Am Tag der Beisetzung versammelte sich die Trauergemeinde etwa eine halbe Stunde vor dem Beisetzungstermin um den Sarg zum Rosenkranzgebet.

Vor dem Sarg war die brennende Leuchte (im Volksmund “de Lüet“)platziert.

Der Priester erschien mit den Messdienern, segnete den Sarg, sprach einige Gebete, der Trauerzug formierte sich zum “letzten Geleit“ zum Friedhof hin. Vor dem Sarg, der nach dem Kriege bis 1952 von sechs Sargträgern getragen wurde, reihte sich die Dame mit der brennenden Leuchte hinter dem Kreuzträger ein.

Frau Katharina Glasmacher, geb. Engels, hatte Frau Cordula Waser als Trägerin der Leuchte und als Vorbeterin beerbt. Es folgten der Priester, die Verwandtschaft und die übrige Trauergemeinde.

Bei der ansehnlichen Strecke zum Friedhof und der Schwere des Sarges, wurden, in Absprache mit den Anwohnern und in gewissen Abständen, vier bis sechs Stühle mitten auf die Straße gestellt, um den Sargträgern durch Absetzen des Sarges einen Tragewechsel zu ermöglichen. Trauerkränze wurden, von dazu bestimmten Personen, im Trauerzug mitgeführt. Dieser Umstand war im Jahre 1952 vorbei. Die Gemeinde verfügte wieder über einen von einem Pferd gezogenen Leichenwagen.

Bilder belegen, dass die Gemeinde bereits 1902 über einen zweispännigen Leichenwagen verfügte, der Ende der 1920ger Jahre gegen einen einspännigen Wagen ausgetauscht wurde. Dieser Wagen wurde bis zum 30. November 1944 vom Landwirt Johann Falkenberg bzw. von dessen Mitarbeiter Michael Pütz gefahren. Beim Bombenangriff auf Vettweiß wurde der Leichenwagen so schwer beschädigt, dass er unbrauchbar wurde.

Das Ritual bei Beerdigungen war bis zum Jahre 1969, der Fertigstellung der Leichenhalle, in Vettweiß immer gleichbleibend. Erst die Beerdigung, daran anschließend das Requiem, die Exequien.

Das Requiem, heute meist Toten- oder Auferstehungsamt genannt, wurde nach einem genau festgelegten Ritus gefeiert. Schwarz war die alles beherrschende Farbe. Der Altar sowie die Kommunionbänke wurden mit schwarzen Tüchern behangen. Der Priester trug eine schwarze Kasel bzw. einen schwarzen Chormantel, die Ministranten ein schwarzes Rochett.

Vor dem Altar war die “Tumba“, eine mit schwarzem Tuch bedeckte Scheinbahre, aufgebaut. Sechs Kerzenleuchter mit brennenden Kerzen “hellten“ die, für heutige Zeiten, gewöhnungsbedürftige Szenerie auf.An der Bahre wurden nach Beendigung des Exequienamtes durch den Priester nochmals Gebete gesprochen und Rituale mit Weihrauch und Weihwasser vollzogen. Obwohl die meisten Gebete und Gesänge in lateinischer Sprache gebetet bzw. gesungen wurden, beteten bzw. sangen die Gläubigen mit. Diese feierlichen Tumbagebete endeten stets mit der flehenden Bitte: „Herr gib ihm/ihr die ewige Ruhe. Und das ewige Licht leuchte ihm/ihr. “Sicherlich kann man in dieser Bitte ein Sinnbild zur brennenden Leuchte sehen, die ihren Platz während des Exequienamtes stets vor der Tumba hatte.

Während der Kriegsjahre wurde das Exequienamt für die fern der Heimat gefallenen und beerdigten Soldaten besonders feierlich gehalten. Nicht selten legte man, im Gedenken an den Gefallenen, auf die “Tumba“ einen Stahlhelm.

Noch eine Trauergewohnheit sei vermerkt. Bis Anfang der 1970er Jahre trug die engste Verwandtschaft einer/es Verstorbenen, Ehepartner, Kinder und Geschwister, ein Jahr lang Trauerkleidung. Männer bekundeten ihre Trauer durch eine schwarze Armbinde oder eine Schleife am Rockaufschlag. Für diese Zeit war die Teilnahme an Festlichkeiten tabu. Mitte der 1970er Jahre “lockerten“ sich die Gewohnheiten. Bis zum “Sechswochenamt“ herrschte Trauerkleidung vor. Ab diesem Termin bediente man sich wieder der “normalen“ Kleidung. Aber auch dieser Zeitraum hat sich “verkleinert“. Heute wird “Schwarz“ oftmals nur noch am Begräbnistage getragen.

Einige Gedanken zu den Totenzetteln sollen nicht übersehen werden. Während in vielen Gemeinden, besonders in den Städten, Totenzettel der Vergangenheit angehören, wird in Vettweiß konsequent an dem alten Brauch festgehalten, verbunden mit einem Opfergang während des Totenamtes, den Totenzettel in Empfang zu nehmen. Eine gute und ehrwürdige Tradition.

Vom Leitgedanken her sollten in den Totenzetteln die wichtigsten Lebensdaten des/der Verstorbenen festgehalten sein um kommenden Generationen seine/ihre Persönlichkeit in Erinnerung zu rufen. Die Totenzettel früherer Jahre (bis um das Jahr1900 herum), die meist unter der Mithilfe des zuständigen Pfarrers verfasst wurden, sind sehr ausführlich und idealisieren Verstorbene in einer für uns heute schwer verständlichen Weise. Anmerkung: Einem Menschen, der es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt, dem haftet heute noch folgendes Attribut an: „Dä lüch wie ne Dudezäddel“.

Mit Fertigstellung der Leichenhalle traten Veränderungen im Ablauf ein. Erst das Sterbeamt, die Exequien, in der Kirche. Danach in gemeinsamer Prozession zum Friedhof mit der Beerdigung von der Leichenhalle aus. Fällt der Entscheid für eine Urnenbestattung, so wird die Urne nicht ausnahmslos in der Leichenhalle aufgebahrt. Die Pfarre St. Gereon gestattet die Aufbahrung der Urne während des Totenamtes im Chorraum der Kirche, um dann von hier aus den direkten Weg zum Grab zu nehmen. Seit Anbeginn der Leichenhalle in Vettweiß wurde auf die Mitführung der brennenden Leuchte beim letzten Geleit der Verstorbenen verzichtet. Die brennende Leuchte, Symbol für das Licht des Glaubens, hatte “ausgedient“. Sie wurde “aussortiert“, ihre Zeit war “abgelaufen“. Sie geriet in “Vergessenheit“.

45 Jahre später wurden Erinnerungen an die Leuchte “geweckt“. Nachforschungen blieben aber erfolglos. Dann half unerwartet “Bruder Zufall“. In der “Asservatenkammer“ von St. Gereon nahm die Suche ein erfolgreiches Ende. Gut verpackt und ebenso gut erhalten wurde die über 150 Jahre alte Leuchte aus ihrem Versteck “befreit“.

Was bleibt?
Halten wir nun einmal fest: Der Versehgang hat sich geändert. Der Priester kommt alleine, ohne Chorgewand, ohne Ministranten, ohne Leuchte.

Die Fußfälle gehören der Vergangenheit an. Sie wurden abgelöst durch das Totengebet in der Kirche am Vorabend der Beisetzung.

Die brennende Leuchte ist ebenfalls Vergangenheit. Sie wird durch eine Vielzahl brennender Kerzen bei der Aufbahrung ersetzt.

Was sich nicht geändert hat, was bleibt, ist das brennende Licht: “Das Licht des Glaubens“.

Die LeuchteLeuchte St. Gereon Vettweiß Foto: A. Esser

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