Kinderspeisung in der guten, alten Zeit

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Heimatblätter
Beilage der Dürener Zeitung

Aufgelesen aus dem Jahre 1932

Kinderspeisung in der guten, alten Zeit.

Von Bernhard Delhougne, Hauptlehrer in Vettweiß

FrohnhofDie älteren Leute in Vettweiß erinnern sich noch gerne einer Sitte auf dem Frohnhofe in Vettweiß, die bis vor 45 Jahren (also um 1890) noch in Übung war, wo täglich für alle Schulkinder, reich oder arm, wohl 120 an der Zahl, in der Schulpause ein Frühstücksstullen verabreicht wurde. Die Schar der Kinder stand im großen Flur des alten Gutshauses, der der Schule direkt gegenüber gelegen war, wo an den Wänden blinkende Zinnteller und Schüsseln prangten, und betete solange das „Vaterunser“, bis man an die Reihe kam, von der geschäftigen Haushälterin Anna und ihrer Stütze, der Küchenmagd ein mit weißem Käse und grauem Fett, das eigens bereitet wurde, belegtes Butterbrot in Empfang zu nehmen.
Es war wohl für die Bedienenden keine leichte Arbeit, mit dem Brotmesser jedesmal 3-4 selbstgebackene große Schwarzbrote zu zerschneiden. Die damaligen Besitzer, die Gebrüder Meller, die Junggesellen waren, standen meistens dabei und hatten ihre sichtliche Freude, der Speisung zuzusehen.

Auch war es Brauch, daß die älteren Männer des Ortes nach dem Hochamt bei den Gutsherren sich versammelten und dabei zu einem Plauderstündchen ihr Pfeifchen rauchten. Der Tabak wurde auf dem Tisch vorgefunden, nur Pfeife und etwas gute Laune mußte mitgebracht werden.

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