St. Martin

Artikel bewerten
(31 Stimmen)

St. Martin

Zeichnung StMartinBild HGV

Einer der volkstümlichsten Heiligen ist Sankt Martin von Tours. Dichtung, Musik und Legende verherrlichen und verdeutlichen sein Leben. Volksbräuche haben sich um sein Leben entwickelt und sind zum Andenken geworden. Dies ist ein Zeichen dafür, dass seine Persönlichkeit und sein Tugendleben so stark und ausge- prägt waren, dass selbst die schlimmsten Geschehnisse während hunderter Jahre das von Martin gezeichnete Bild nicht verwischen konnten.

Martin wurde im Jahr 316 in Ungarn geboren und verstarb 397 in Tours in Frankreich.

 

Sein Schüler und Freund Serverus hat die erste Lebensbeschreibung verfaßt und darin Zeugnisse für ihre Wirklichkeit und Wahrheit beschrieben. Schon als römischer Offizier war er vom Geist der christlichen Nächstenliebe erfüllt. Dass tiefe Menschen- und Nächstenliebe eine Hauptforderung der christlichen Lehre sei, das war ihm bewußt. Er versuchte sie zu leben, wenn auch Christsein in diesen Zeiten auf harte Proben gestellt wurde, und Verfolgungen immer wieder geschürt wurden.

Während eines sehr strengen Winters kehrte er zu Pferd von einer Übung heim. Da sah er am Wegesrand einen alten, armseligen Mann, der nur in Lumpen gehüllt war, um sich so vor der Kälte zu schützen. Sogleich zerschnitt Martin mit dem Schwert seinen wärmenden Mantel und gab die Hälfte dem Armen. Fürwahr eine furchtlose und eine sehr wohlgefällige Tat. Herrlicher Lohn sollte ihm dafür zuteil werden. In der folgenden Nacht erschien ihm Christus im Traum und sagte:“ Mit diesem Gewand hast Du mich  bekleidet.“

Das war für Martin das Zeichen, sich taufen zu lassen, den Militärdienst zu quittieren und sich in den Dienst der Kirche zu stellen. Sein Eifer trieb ihn dazu, auch anderen das Glück der christlichen Nächstenliebe zu vermitteln. Er wurde zum Priester geweiht, gründete mit mehreren Gesinnungsgenossen in Frankreich eine Art Kloster, um gerne einmal zurückgezogen für einige Zeit zu leben.

Doch Gott hatte etwas anderes mit ihm vor.
Der Bischof von Tours war gestorben. Weil nun die Bewohner Martin wegen seiner gelebten Nächstenliebe schätzten, verlangten sie, dass nur Martin für das Amt des Nachfolgers in Frage komme. Er aber wollte nicht und versuchte sich in seiner Bescheidenheit zu verbergen.

Die Legende erzählt, dass er sich in einem Gänsestall versteckte. Durch das Geschrei der Gänse wurde sein vermutlich gutes Versteck entdeckt. Jetzt konnte er sich nicht mehr des Volkeswillens entsagen, dem selbst die Obrigkeit erlag. Martin wurde Bischof von Tours.

Gaensewagen 1953Foto: HGV        Martinszug 1953

 

(Das Mitführen von Gänsen in vielen Martinsumzügen, oder dass Martin auf Bildern oftmals mit einer Gans abgebildet ist, soll auf sein von Gänsen verratenes Versteck hinweisen)

 

 

 

Als Bischof suchte Martin die heidnischen Bewohner der Stadt und der Umgebung für das Christentum zu gewinnen, was ihm nach vielen Mühen, Überzeugungskraft und gelebter christlicher Nächstenliebe auch gelang.

Martin verstarb 397 im Alter von 81 Jahren.
Zwar wurde sein Grabmal, das König Ludwig XI von Frankreich für ihn errichten ließ, im Jahre 1562 von Hugenotten verwüstet, die Verehrung des Heiligen aber konnten sie nicht hemmen.

Zug 1933Foto: Hans Klein                           Martinszug 1933Zug 1995Foto: Helga Küpper                           Martinszug 1995


So ist Sankt Martin auch heute noch lebendig im Gedenken vieler Menschen, das dadurch kundgetan wird, dass im Monat November eines jeden Jahres unzählige Martinsumzüge durch Städte und Dörfer ziehen. Mit bunten Laternen ziehen die Kinder singend zur Musik von Musikkapellen durch die Straßen. Sie begleiten St. Martin, der hoch zu Ross sitzt. Im Schein des Martinsfeuers erleben sie in einer Nachstellung zum damaligen Ergebnis, wie der wärmende Mantel St. Martins an einen frierenden Bettler übergibt.

Weckmann 1995Foto: Helga Küpper Martinsweckausgabe 1995

 

 

Als weiterer Akt der Nächstenliebe soll das kostenlose Verteilen von Martinswecken an die Kinder verstanden werden.

 

 

 

Wie bereits erwähnt, soll durch diesen alljährlichen Brauch das Gedenken an die Wohltaten Martins, dem Bischof von Tours, bei den Mitmenschen animierend erhalten bleiben.

Zug 1995 2Foto: Helga Küpper                                                Kinder mit Fackeln im Martinszug 1995

Leider hat die Bereitschaft, der Lehrpersonen, ihre Klassen beim St. Martinszug zu begleiten, nach der Pensionierung im Jahr 2013 von Rektor Friedhelm Reufsteck stark nachgelassen. Ab dem Jahr 2017, wird keine Lehrperson ihre Klasse mehr beim St. Martinszug begleiten.

Dank beherzter Bürgerinnen, Bürgern und Eltern wird auch weiterhin an der Tradition des St. Martinszuges in Vettweiß festgehalten, denn Tradition ist auch Freizeit.

Gelesen 451 mal
Aktuelle Seite: Start - Heimat - Erzählungen - St. Martin