Erinnerungen an Peter Gietmann, einen in Vettweiß allseits beliebten und geschätzten Bürger, aufgeschrieben von den Gebrüdern Franz-Herbert (30.04.1932 - +22.07.2020) und Hermann-Josef (14.06.1934) Courth.


Peter wurde am 28.01.1925 als Sohn der Eheleute Heinrich Gietmann und seiner Frau Anna Maria geb. Glasmacher auf dem Brückenhof, damals nur „en de Broeck“ genannt, geboren.
Die Broeck, ein ehemaliges aus Fachwerk errichtetes Hofgebäude, lag unmittelbar unterhalb der Kirche, dort wo heute das Pfarrheim und der katholische Kindergarten stehen.
Zu seinen Geschwistern gehörten seine Schwester Odilie (Dill) sowie die Gebrüder Josef (in 1942 bei Stalingrad vermisst), Bartholomäus (Bathel) und Johann (Schäng).
Schon während der Schulzeit hatte Peter Kontakt zum Frohnhof, zur Familie Courth sowie zu den dort tätigen Personen. Über ein kleines Törchen, das sogenannte „Kirchepötzje“, kam er auf den Hof und damit in die Welt eines funktionierenden Bauernhofes, wo er immer viel Neues und Interessantes erleben konnte. Vielleicht wurden damals schon insgeheim die Weichen für seinen späteren Berufsweg gestellt.
Nach erfolgreichem Abschluss der Volksschule sollte er das Schumacher Handwerk erlernen, aber er wollte nicht so recht. Zu dieser Zeit gab vorwiegend die Anordnung der Eltern die Berufswahl vor. Einwände waren in fast allen Fällen zwecklos. Eine Lehrstelle hatten die Eltern in Düren für Peter requirieren können. Aber in seinem Innern rumorte die Verzweiflung. Schon nach wenigen Tagen warf er das Handtuch, da er sofort merkte, dass das Schustern nicht sein Ding war. Er hatte anderes im Sinn.
In dieser Lage war nun Not am Mann, da auch die Laune seiner Eltern bei der Gegebenheit nicht gerade lobpreisend war. Kurz entschlossen fasste er all seinen Mut zusammen und ging zu unserem Vater Lambert Courth. Peter, gerade die achtjährige Schulzeit beendet, stand nun vor dem scheinbar gestrengen Herrn und schilderte ihm unter Tränen und mit zitternden Knien seine missliche Situation. Er nahm all seinen Mut zusammen und fragte ihn: „Kann ich net bei Üech anfange“?
Als Nachbarschaft war die Familie Gietmann unseren Eltern sehr gut bekannt, wobei Peter seit Kindesbeinen immer wieder auf dem Hof anzutreffen war. Den Vater trieb die Rührung, er sagte Peter sofort zu. Jetzt war sein Berufsweg auf der richtigen Schiene, zumal sich auch die Laune seiner Eltern aufhellte. Es war für ihn die Euphorie des Augenblicks, weil alles nun so war, wie er es sich gewünscht und davon geträumt hatte.

Ab dem 01.04.1939 begann er nun als Enk seine landwirtschaftliche Tätigkeit auf dem Frohnhof. Schnell erlernte er mit großem Geschick alle die Arbeiten, die auf einem Bauernhof nun einmal zu erledigen waren. Das war Peters Welt, in der er sich wohlfühlte.
Doch keine praktische Arbeit ohne theoretisches Wissen. Parallel zur praktischen Arbeit besuchte er mit gutem Erfolg die damalige landwirtschaftliche Berufsschule in Kelz. Nun hatte er das notwendige Rüstzeug für seinen weiteren Lebensweg, der einige Jahre später jäh unterbrochen wurde.
Nach dem Reichsarbeitsdienst Gesetz vom 26.06.1935 waren alle jungen Deutschen verpflichtet, ihrem Volk im RAD zu dienen. Dieser Verpflichtung musste Peter auch nachkommen und so wurde er im Oktober 1942 zum Reichsarbeitsdienst eingezogen. Nach sechs Monaten wurde er entlassen. Über seine Zeit in dieser schon damals paramilitärisch ausgerichteten Organisation hat Peter nie berichtet. Vielleicht wollte er diesen Lebensabschnitt aus seinem Gedächtnis streichen.
Nach dem RAD war die Arbeitsaufnahme auf dem Frohnhof nur von kurzer Dauer, denn er erhielt den Einberufungsbefehl zur Wehrmacht.
Nach der obligatorischen Grundausbildung erfolgte der Gestellungsbefehl nach Dänemark. Vor Ort kam ihm seine Berufserfahrung zugute. Er wurde einem hoch dekorierten Offizier als Stallbursche und Pferdepfleger zugeteilt. Für Peter war die Pflege der Pferde und die des Anwesens eine unter den damaligen Verhältnissen optimale Position, denn er brauchte nicht an die Front.
Dieses gütige Schicksal bewahrte ihn schließlich vor einem Kampfeinsatz als Infanterist. Körperlich unversehrt konnte er bei Kriegsende den Gang in die amerikanische Gefangenschaft antreten. Das Glück blieb auf seiner Seite, denn die Zeit der Gefangenschaft, in einem amerikanischen Gefangenenlager im Raume Frankfurt, war von überschaubarer Dauer im Gegensatz zu vielen seiner Freunde und Bekannten.
Abschließend bleibt festzuhalten, dass Peter, wie fast alle seiner Altersgenossen, vier Jahre seines jungen Lebens für „Führer, Volk und Vaterland“ opfern musste. Es war für ihn, wie auch für alle Kriegsteilnehmer, eine verlorene Zeit, an die er sich nicht mehr erinnern mochte und über die er nur wenig sprach. Er wollte normal leben und nach vorne schauen, wie alle anderen Kriegsteilnehmer auch.
Im April 1946 wurde seine Entlassung verfügt, da selbst die Amerikaner erkannten, dass für eine überaus notwendige Versorgung der Bevölkerung landwirtschaftliche Arbeitskräfte allerorten fehlten. Peter kehrte heim und begann bereits im Mai des gleichen Jahres seine Arbeit wieder auf dem Frohnhof. Unser Vater setzte ihn sofort als Gespann Führer ein, denn den Umgang mit Pferden beherrschte er, der war ihm, so hatte es fast den Anschein, mit in die Wiege gelegt worden. Es war seine liebste berufliche Beschäftigung.
So betraute ihn der Chef auch mit den Warmblütern Bodo und Lumpi, welche in der damals autolosen Zeit zum großen Teil als Kutsch- und Wagenpferde genutzt wurden. Peter war ein begeisterter, versierter vorbildlicher Kutscher. Es erfüllte ihn mit Freude und mit Stolz, wenn das Fahren mit der Kutsche, einem sogenannten Jagdwagen mit Eisenbereifung, hundertprozentig funktionierte und an Dank und Belobigungen nicht gespart wurde. Genial widerlegte er den Spruch, dass selbst dem besten Kutscher auch schon mal die Karre umfalle.
Ab dem Jahre 1950 kam durch fortschreitende Mechanisierung auch für den Frohnhof die Zeit des Umbruchs. Pferde wurden immer weniger und schließlich ganz abgeschafft. Sie wurden durch Ackerschlepper ersetzt.
Nun wurde Peter vom Kutscher zum Schlepperfahrer. Sein erster Schlepper war ein Hanomag R 22. Im Jahre 1959 wurde dieser Schlepper durch einen Massey Ferguson 50 ersetzt. Diese Zugmaschine hatte mehr Power.
Mit diesem Ferguson hat Peter dann die gesamte Ackerfläche gepflügt, die Rüben gerodet und den damals noch gezogenen Mähdrescher bewegt.
Im Laufe der Zeit gingen der technische Fortschritt und die damit verbundene Rationalisierung in der Landwirtschaft weiter.
Im Zuge dieser Entwicklung wurde am 01.01.1975 die Maschinengemeinschaft Courth Jöntgen gegründet. Der Bedarf an mehr PS-Leistung wurde immer größer und so wechselte Peter auf einen IHC Schlepper mit 90 PS um.
Niemand ahnte, dass dieser sein letzter Schlepper sein sollte, denn Peter musste am 01.04.1979 aus gesundheitlichen Gründen seinen von ihm geliebten Beruf an den Nagel hängen. Er verließ den Frohnhof, auf dem er vierzig Jahre gearbeitet hatte, als Frührentner.
Dieser Schritt war für Peter sowie für die Familie Courth und ihre Mitarbeiter ein starker Einschnitt.
Der Frohnhof verlor einen wertvollen Mitarbeiter. Mit seinem Arbeitseifer, seiner großen fachlichen Qualifikation, seiner unbedingten Loyalität zur Familie Courth und zu seinen Arbeitskolleginnen und Kollegen und nicht zuletzt wegen seines nie versiegenden Humors wird er allen, die ihn gekannt haben in bester Erinnerung bleiben.
Am 13.06.1992 ist Peter Gietmann dann plötzlich und unerwartet gestorben. Der Tod ereilte ihn unmittelbar während des Sonntagsgottesdienstes. Nach den uns vorliegenden Unterlagen ist Peter der einzige Katholik, der in der Pfarrkirche St. Gereon verstorben ist, sicherlich ein Sterbeort, den sich vielleicht manche Menschen wünschen würden.
Um ihn trauerten seine Gattin, seine Kinder und Anverwandte, die Belegschaft des Frohnhofes, seine Freunde, die Dorfgemeinschaft. Sie trauerten um einen lebensfrohen, freundlichen und stets hilfsbereiten Peter Gietmann, der bei der Allgemeinheit nur als Gietmanns Pitter bestens beliebt und bekannt war.
Beerdigt wurde er auf dem örtlichen Friedhof unmittelbar neben seinem Vetter Peter Glasmacher. Seine Grabstätte ist inzwischen eingeebnet.
Requiescat in pace lieber Peter

Hermann-Josef Courth
im August 2025

Fronhof 2.jpg1Peter Gietmann auf dem Frohnhof. Ganz im Vertrauen mit den zugewiesenen Pferden und einer über Jahre erlebte Zutraulichkeit

14 14Bei maschineller Arbeit, die Zeit mit Pferden ist Geschichte.

Fronhof 5.jpg11950 Bundesschützenfest in Vettweiß. Einführung von Franz-Herbert Courth in die Kunst des Kutschierens durch Peter.

Scannen0007.jpg4Schützenfest Pfingsten 1952. Umzug am Sonntagmorgen mit dem Königspaar Gabriel und Klara Courth durch Kettenheim, gefahren von Peter Gietmann.

Scannen0007.jpg2Schützenfest Pfingsten 1952. Festumzug am Nachmittag. Das Königspaar zusammen mit Pfarrer Rütten in bester Obhut von Kutscher Peter Gietmann.